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Keine Kürzung für JugendbildungsreferentInnen
Pressemitteilung vom 29. Nov 2000, Jens Peter JensenKiel. Auf ihrer gestrigen Sitzung diskutierten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Jugendpolitik im Landesjugendring über die von der SPD geplante Kürzung der Zuschüsse für JugendbildungsreferentInnen um 10 %. Vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen in der außerschulischen Bildungsarbeit durch eine verstärkte Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule und bei der Bekämpfung rechtsradikaler Tendenzen unter Jugendlichen traf diese Absicht der SPD-Parlamentarier bei den VertreterInnen der Jugendverbände auf Verständnislosigkeit und Kopfschütteln.
Sie stellten fest, dass gerade in der jetzigen Situation, in der von allen Seiten die Arbeit der Jugendverbände als beste Prävention für die wachsende Gewaltbereitschaft und rechtsradikale Einstellung betrachtet wird, ein weitere Kürzung von Jugendförderungsmitteln für hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die grundsätzliche Unabhängigkeit der Jugendverbandsarbeit in Frage stellt, weil die Erwachsenenverbände verstärkt in die Bresche springen müssten, um finanzielle Lücken bei ihren Jugendorganisationen zu schließen. Das wird aber nur da die Möglichkeit sein, wo es einen Erwachsenenverband im Hintergrund gibt
Besonders kritisch setzten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Jugendverbände mit der aktuellen Widersprüchlichkeit der Landespolitik auseinander, die einerseits Demokratieprojekte von Schulen und in der Jugendarbeit fördert und andererseits durch den schleichenden Mittelentzug im Bereich der Förderung der Jugendarbeit die Unabhängigkeit der außerschulischen Jugendbildung insgesamt gefährdet. „Jede Mark an öffentlicher Förderung der Jugendverbandsarbeit macht die Jugendverbände abhängiger von ihren Erwachsenenorganisationen und gefährdet damit letztlich auch die innerverbandliche Demokratie und damit die demokratische Kultur innerhalb von Vereinen und Verbänden im Lande.,“ erklärte Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Landesjugendringes.
„Es erscheint vor diesem Hintergrund unverhältnismäßig, dass 100.000 DM für die BildungsreferentInnen gekürzt werden müssen, das Land aber gleichzeitig über die Gemeinschaftsaufgabe „Schleswig-Holstein Land für Kinder“ für die Ausbildung von etwa 20 ModeratorInnen für kinderfreundliches Planen 130.000 DM in den nächsten knapp zwei Jahren ausgeben will“, gab Hans-Jürgen Kütbach zu bedenken. Die in den Jugendverbänden tätigen JugendbildungsreferentInnen sind direkt und indirekt an der Ausbildung von Jugendleiterinnen und Jugendleitern beteiligt. Zwischen Anfang 1999 und dem August diesen Jahres wurden mehr als 2500 ehrenamtliche Jugendleiter im Lande ausgebildet. Schleswig-Holstein steht damit bundesweit an vierter Stelle bei der Ausbildung von Jugendleiterinnen und –leitern.
Die Jugendverbände fordern die Landesregierung auf, schnellstens eine Verbesserung der Koordination ihrer jugendpolitischen Zielsetzung vorzunehmen. „ Es fragt sich, ob im Internationalen Jahr der Freiwilligen Schwerpunkte in der Jugendarbeit verändert werden sollen, wenn das der Fall ist, dann sollte man das offen zum Ausdruck bringen und zur Diskussion stellen und nicht durch kaltes Kaputtsparen vorab vollendete Tatsachen schaffen,“ forderte Hans-Jürgen Kütbach. „Der aktuelle Kurs der beiden Regierungsparteien lässt jedoch nicht klar erkennen, wohin die Reise in der Jugendpolitik für die laufende Legislaturperiode gehen soll“, bemängelte Kütbach weiter. Im Bereich der Jugendarbeit werden die unterschiedlichen Angebote sowohl durch die öffentlichen Träger, das Land und die Kommunen, als auch durch die freien Träger, die Vereine und Verbände, angeboten.
Wenn auch in Zukunft der Grundsatz des Vorrangs der freien Träger gelten soll, ist das Land nach Auffassung der Jugendverbände dringend aufgefordert, seine Jugendpolitik auch mit den Trägern der freien Jugendhilfe zu entwickeln und abzustimmen
Die JugendbildungsreferentInnen sind das Rückgrat für die konkrete Jugendbildungsarbeit in den Orts- und Kreisverbänden. Sie begleiten als Dienstleister der Verbände die Arbeit der Ehrenamtlichen und beraten sie in der Konfliktsituation,z.B. auf Ferienmaßnahmen. Diese Arbeit ist vor allem deshalb so wichtig, weil an Ferienfahrten von Jugendverbänden in den letzten Jahren auffällig mehr Problemjugendliche als in früheren Jahren teilnehmen, wie vor kurzem auf der Hauptausschusssitzung des Landesjugendringes in Kiel übereinstimmend festgehalten wurde.
Der Landesjugendring ist die Arbeitsgemeinschaft schleswig-holsteinischer Jugendverbände und Jugendringe. Er vertritt die Interessen von 22 Mitgliedsorganisationen und 15 Kreisjugendringen, denen zur Zeit mehr als 500.000 Kinder und Jugendliche angehören. Zu den wesentlichen Aktivitäten der Jugendverbände gehören Jugendbildungs-, Freizeit- und Erholungsmaßnahmen. Hierfür stehen in Schleswig-Holstein rund 200 Einrichtungen mit insgesamt 25.000 Übernachtungsplätzen zur Verfügung. Die Arbeit der Jugendverbände in Schleswig-Holstein wird vor allem durch die mehr als 20.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen.



